Erschienen in ELTERN – Fragen und Antworten, Gruner + Jahr, Hamburg

Fieber – zehn schnelle Antworten

Von Sebastian Bröder

1. Fieber – nützlich oder schädlich?

Der schlechte Ruf hält sich hartnäckig: Fieber zehre aus, sei gefährlich, ende im Fieberkrampf. Dabei ist die hohe Temperatur – die übrigens keine Krankheit ist, sondern immer nur das Symptom einer solchen – richtig hilfreich. Jeder Mensch verfügt über ein Abwehrprogramm gegen Krankheiten. Weil dieses Programm aber sehr viel Energie braucht, ist es nicht rund um die Uhr im Einsatz – die Feuerwehr löscht ja auch nur, wenn’s brennt. Also wird es erst dann gestartet, wenn es gebraucht wird: Sobald Krankheitserreger angreifen, steigt die Körpertemperatur. Das wiederum bringt den Stoffwechsel auf Trab und bewirkt, dass das Knochenmark weiße Blutkörperchen ausschüttet, die die Erreger bekämpfen. Fieber ist also der Einsatzbefehl des Körpers an seine Selbstheilungskräfte – und damit sehr nützlich.

2. Fieber messen – wie und womit?

Im Po und mit einem Digitalthermometer. Die Spitze eine Minute in der Hand anwärmen und anschließend mit etwas Creme gleitfähiger machen. Das Kind auf die Seite oder auf den Rücken legen, Beine anwinkeln lassen und das Thermometer vorsichtig maximal zwei Zentimeter einführen. Damit es nicht herausrutscht, leicht mit der Hand gegen den Po drücken. Andere Methoden (zum Beispiel unter dem Arm oder mit Stirn- oder Schnullerthermometern) liefern meist ungenaue Ergebnisse. Ohrthermometer messen zwar recht zuverlässig, sind aber nicht einfach zu benutzen, weil sie exakt positioniert werden müssen; außerdem sind sie ungeeignet bei Ohrentzündungen.

3. Ist die heiße Stirn ein sicheres Zeichen?

Leider nein. Fieber ist eine Erhöhung der Temperatur im Körperkern, kommt also von innen. Der Körper kann sich aber auch von außen her erwärmen, etwa an einem Sommertag. Auch täuscht das subjektive Wärmeempfinden der aufgelegten Hand. Bei Verdacht auf Fieber also besser durch eine Messung im Po kontrollieren!

4. Warum muss man bei Fieber schwitzen?

Schwitzen ist das Gegenprogramm zum Fieber: Während Fieber für eine erhöhte Körpertemperatur sorgt, soll das Schwitzen sie wieder herunterbringen. Das wiederum passiert durch einen einfachen Mechanismus: Beim Schwitzen dünstet Flüssigkeit aus, dabei gibt der Körper Wärme ab. Auf diese Weise reguliert er seine Temperatur. Und nicht vergessen: Ein schwitzendes Kind hat einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf – also unbedingt dafür sorgen, dass es viel trinkt.

5. Wann das Fieber senken – und wie?

Entscheidend ist weniger die Höhe der Temperatur, sondern eher der Allgemeinzustand. „Ist ein Kind einigermaßen munter, muss man Fieber nicht behandeln“, sagt der Berliner Kinderarzt Dr. Ulrich Fegeler. „Wenn es aber sehr schwach und weinerlich ist und nur noch auf den Arm der Mutter will, können fiebersenkende Mittel Erleichterung bringen.“ Es gibt eine Reihe gut verträglicher Säfte, Tropfen und Zäpfchen, gängige Wirkstoffe sind Ibuprofen und Paracetamol. Auch Wadenwickel können helfen – allerdings nur, wenn sich die Waden heiß anfühlen, sonst belasten die Wickel den Kreislauf zu sehr.

6. Was tun beim Fieberkrampf?

Oberste Regel: ruhig bleiben. Ein Kind, das die Augen verdreht und am ganzen Körper zuckt, jagt Eltern verständlicherweise einen Riesenschrecken ein. Doch nur selten ist ein Fieberkrampf wirklich gefährlich. Beruhigen Sie Ihr Kind, aber versuchen Sie nicht, den Krampf durch einen Schock – kaltes Wasser, lautes Ansprechen, Schütteln o. Ä. – zu lösen. Meist dauert er nur einige Sekunden. Das Kind bleibt zwar noch für ein paar Minuten benommen, aber dann ist es vorbei. Ein einfacher Fieberkrampf bleibt folgenlos. Zur Sicherheit empfiehlt es sich dennoch, bald einen Kinderarzt aufzusuchen. Allerdings: Unbedingt und sofort zum (Not-)Arzt gehört ein Kind, das

  • länger krampft als zehn Minuten,
  • jünger ist als sechs Monate,
  • älter ist als fünf Jahre,
  • schon einmal einen Fieberkrampf hatte.

7. Je höher desto schlimmer?

So pauschal stimmt das nicht. Es gibt Kinder, die schnell hohes Fieber bekommen, andere haben auch bei schwereren Infekten nur leicht erhöhte Werte. Doch nicht nur die Veranlagung des Kindes spielt eine Rolle, auch der Erreger: „Einige Viren, zum Beispiel Masern, führen zu sehr hohem Fieber, andere, zum Beispiel Röteln, eher zu einer gering erhöhten Temperatur“, erklärt Professor Dieter Körholz, Direktor der Universitätskinderklinik Halle.

8. Brauchen Fieberkinder unbedingt Bettruhe?

Nein. Erstens ist es nahezu unmöglich, ein hellwaches Kind gegen seinen Willen zum Ausruhen zu verdonnern, zweitens kann man sich im Großen und Ganzen auf den Instinkt der Kinder verlassen. Manche sind vom Fieber ziemlich erschöpft und wollen von sich aus ins Bett, andere sind recht munter und möchten lieber spielen. Solange sie dabei nicht in der prallen Sonne oder Zugluft sitzen, ist das in Ordnung.

9. Wie oft Fieber ist normal?

Kinder können ganz schön häufig fiebern, zehnmal pro Jahr ist nicht selten. Der Grund ist naheliegend: Weil das Abwehrsystem von Kindern noch nicht so gut funktioniert, fangen sie sich schnell Infekte ein. Die Erreger werden dann mithilfe von Fieber bekämpft.

10. Wann zum Arzt?

Grundsätzlich gilt: Wenn Eltern unsicher sind, sollten sie sich nicht scheuen, zum Arzt zu gehen – auch wenn das Fieber niedrig ist oder noch nicht lange andauert. Das Fieber selbst ist zwar oft kein Grund für einen Arztbesuch, aber es könnte eine Reaktion auf eine Krankheit sein, die möglicherweise behandelt werden muss. Deshalb empfiehlt sich ein Arztbesuch allgemein dann, wenn …

  • das Fieber nach drei Tagen noch nicht abnimmt,
  • die Temperatur über 39 Grad klettert,